Vom Sommer und der ruhigen Zeit

Diesen Sommer ist es mir schon wieder passiert, genau wie letztes Mal. Ich fiel in das berüchtigte Sommerloch. Tief drinnen lag ich und schaffte es erst jetzt, Anfang September, daraus hervorzukriechen. Daher ließ ich lange nichts von mir hören, weil ich auch ehrlich gesagt nicht wirklich produktiv war. Doch woran liegt es, dass mich jeden Sommer diese Kreativblockade übermannt? Ist der Sommer möglicherweise meine ruhige Zeit der Einkehr?

Früher war der Winter die ruhige Zeit des Jahres. Die Tage um diese Jahreszeit sind kurz und dunkel und es ist zu kalt um sich lange draußen aufzuhalten. Der Advent war traditionell die Zeit der Einkehr. Wir beschäftigen uns mit dem, was drinnen passiert. In unserem Haus und in uns selbst.

Ganz anders heute. Spätestens Mitte November bricht die allgemeine Panik nach Weihnachtsgeschenken los. Wir hechten von einer Weihnachtsfeier zur nächsten, mit Freunden, Kollegen und dem Freizeitverein. Schnell müssen noch die letzten Deadlines des Jahres eingehalten werden. All das was in den letzten Monaten nicht geschafft wurde, wird auf wenige Wochen gequetscht. Zu Weihnachten selbst stellt sich dann jedes Jahr aufs Neue die Frage: Wo wird gefeiert? Wer wird eingeladen? Wie kann ich mich am einfachsten Vierteilen, um allen gerecht zu werden?

Anstatt Ruhe und Besinnlichkeit stehen stundenlange Reisen zur Familie, nach Hause oder wohin auch immer auf dem Programm, inklusive vollen Autobahnen, überfüllten Zügen und überlaufenen Flughäfen. Zwischen den Tagen können wir ganz kurz Luft holen, grade eine gefühlte Sekunde lang, bevor wir uns entscheiden sollen wie wir Silvester verbringen. Schon wieder sind wir auf drei Partys gleichzeitig eingeladen und verbiegen uns, um möglichst überall gleichzeitig zu sein.

Kommt dir das bekannt vor? Mir geht es ja nicht anders, auch wenn ich es eigentlich gar nicht so negativ sehe wie ich es hier selbst beschreibe. Ich liebe Weihnachten und die ganze Zeit drumherum. Die Lichter, die Weihnachtsmärkte, den Duft von Glühwein und gebrannten Mandeln. Ich blicke gerne am Jahresende zurück um in Erinnerungen zu schwelgen und mich auf ein neues Jahr voller Möglichkeiten zu freuen. Doch auch wenn ich mir gerne die Zeit nehme, das vergangene Jahr zu reflektieren, so ist es doch auf keinen Fall eine ruhige Zeit. Neben Weihnachtsfeiern stehen Adventskonzerte, Geschenkeshopping und Familienbesuche auf dem Programm. Und einen Job hab ich ja auch noch.

Ich glaube, es geht vielen von uns so.

Vielleicht ist daher der Sommer unsere ruhige Zeit des Jahres geworden, vor allem für uns Business-Stadtmenschen. Es ist die Zeit, in der wir Urlaub oder Ferien haben. Es wird gefühlt ruhiger in den Städten, der allgemeine Schritt ist langsamer. Vor allem an einem heißen Sommertag, an dem wir uns am liebsten so wenig wie möglich bewegen. Wir dösen im Garten, am See oder im Freibad, mit einem kühlen Getränk in der Hand und einem Buch im Schoß. Unsere Gedanken fließen genauso zäh dahin während wir uns durch die Straßen treiben lassen, auf der Suche nach dem nächsten Eisladen.

Ich habe das Gefühl heutzutage, nicht im Winter, sondern im Sommer scheint das Leben langsamer zu laufen und manchmal fast stillzustehen. Die Sonne hellt unsere Stimmung auf und das Leben zieht entspannt an uns vorbei.

 

Zumindest lasse ich mich im Sommer gerne treiben und lebe in den Tag hinein. Vor allem wenn ich Urlaub habe. Ich genieße das Gefühl, nirgendwo sein zu müssen und niemandem etwas beweisen zu müssen, nicht mal mir selbst. Ich bin nicht wirklich kreativ in der Zeit, sondern genieße es, meine Gedanken förmlich runterzufahren. Ich kann durchaus zwei Urlaubswochen vergehen lassen ohne dir wirklich sagen zu können, was ich in der Zeit getan habe. Überall heißt es heute ja, das Leben sei kurz und jeder Tag müsse mit Erlebnissen vollgepackt werden. Ein Tag an dem nichts passiert ist vergeudete Lebenszeit. Ich stimme dem durchaus zu, aber für mich ist das auch sehr anstrengend. Sowohl körperlich als auch emotional. Daher spüre ich wie wichtig diese Regenerationszeit, oder nenn sie Sommerfaulheit, für mich ist.

Jetzt wo der Herbst fast schon vor der Tür steht, fühle ich mich bereit dazu wieder durchzustarten. Ich fühle mich wie ausgeruht, nach einem langen erholsamen Sommer.

Das bedeutet, dieser Blog wird wieder mit Leben gefüllt und es wird wieder einiges passieren. Denn der Sommer, die ruhige Zeit meines Jahres, ist vorbei und ich finde ich habe ihn gut genutzt.

Wie geht’s dir im Sommer? Bist du auch weiterhin aktiv oder ebenfalls ein Opfer des Sommerlochs?

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