Unsportlich gibt´s nicht

Jeder kann sportlich sein. Punkt. Es gibt kein unsportlich, glaub mir. Das ist auch keine Frage der Figur, der Größe, des Alters oder was auch immer. Es ist nur eine Frage der Einstellung und die Kunst, den richtigen Sport für dich zu finden. Ich weiß wovon ich rede, denn ich dachte lange Zeit von mir, dass ich unsportlich bin. Das mir Sport einfach nicht liegt. Lass mich dir erzählen warum das ausgemachter Blödsinn ist.

Sportunterricht in der Schule war für mich der Horror. Viele meiner Klassenkameraden waren schon früh im Kinderturnen angemeldet oder in der Kindergruppe des örtlichen Sportvereins. Ich dagegen hab die musikalische Früherziehung besucht. Während sie lernten Bälle zu fangen oder Rad zu schlagen, lernte ich Noten zu lesen und Rhythmus zu verstehen.

Dementsprechend weit waren mir diese Kinder aber im Sportunterricht voraus. Ich hatte nicht viel Muskelkraft, war ungelenkig und besaß keine Ausdauer. Zudem hatte ich mal einen hart geworfenen Ball mitten ins Gesicht bekommen und fürchtete mich seitdem oft vor dem Fangen. Vor allem wenn der Werfer ein pubertierender Mitschüler ist, der extra hart wirft um vor seinen Kumpels cool zu sein.

Ich wurde stets zuletzt ins Team gewählt und meine Mannschaft hasste es, dass ich bei ihnen war. Ich spürte das, ihre mitleidigen oder genervten Blicke und auch wie sie mich auslachten. Das alles zog mich noch mehr runter und ließ mich noch unsicherer werden. Irgendwann hatte es sich so in meinem Kopf festgesetzt dass ich schlecht in Sport war, dass es Realität werden musste. Zudem strengte ich mich nicht mal mehr an. Ich versuchte im Sportunterricht unsichtbar zu sein und bei Teamsportarten einfach nicht im Weg zu sein.

Es gab auch Sportarten in denen ich ganz ok war, manchmal sogar richtig gut. Ich war eine der schnellsten im Sprint und Badminton lag mir. Doch all diese kleinen Erfolge konnten nicht das Bild aus meinem Kopf wischen, dass ich unsportlich bin. Aus den Köpfen der anderen Mitschüler und Lehrer auch nicht.

Die Erfahrung der Sportstunden war so schlimm für mich, dass ich niemals auf die Idee gekommen wäre Sport neben der Schule zu betreiben. Ich war froh wenn ich die zwei Wochenstunden überlebte. Als ich anfing meine Periode zu bekommen, nahm ich noch weniger am Sportunterricht teil. Ich saß überdurchschnittlich oft wegen „Frauenproblemen“ auf der Bank und schaute zu. Zum Glück fragen die meisten Lehrer nicht nach, Männer vor allem nicht.

Was mich dann doch zum Sport gebracht hat war mein Körper. Ich hab ein angeborenes Hohlkreuz und mein linkes Bein ist einen halben Zentimeter kürzer. Zudem leide ich schon länger unter Verspannungen im Schulterbereich, welches sich schmerzhaft bemerkbar macht. Sport musste wohl oder übel her. Also schleppte mich meine Mom zum Arzt. Leider ging dieser auch den einfachsten Weg und verschrieb mir Krankengymnastik. Na super, danke.

Für jemanden, der nicht gerne Sport treibt ist die Vorstellung jede Woche in einen tristen Gymnastikraum zu gehen und nicht gerade verlockend. Überhaupt nicht. Nachdem das erste Rezept aufgebraucht war, bin ich auch nie wieder hin. Unnötig zu erwähnen dass mein Schulter-/Rückenproblem dadurch nicht besser wurde. Plan B: Ich probierte mich durch Fitnessstudios. Aber auch keines davon konnte mich lange halten. Schnell hab ich bemerkt dass langweilige Übungen zu wiederholen auch nicht mein Ding ist. Ich war frustriert weil das allen anderen so viel Spaß zu machen schien. Warum mir nicht? Wieder war ich an dem Punkt dass Sport mir nicht liegt und ich einfach unsportlich bin.

Meinen sportlichen Durchbruch schaffte ich schließlich viele Jahre später durch einen guten Bekannten. Er litt unter ähnlichen Schulterproblemen und erzählte mir, dass ihm Klettern dabei geholfen hätte. Nebenbei wäre das ein riesen Spaß. Klettern klang aufregend, nach Abenteuer und nach etwas Besonderem. Ich ließ mich also überreden und folgte ihm in die Halle. Ich legte den Bauchgurt um, kletterte auf 15m nach oben…und kam als völlig anderer Mensch wieder runter. Klettern war ja mal mega geil.

Klettern macht so einen riesigen Spaß!!! Es ist ein bisschen wieder Kind sein und mit einer Portion Nervenkitzel. Dabei ist es ein ernsthafter Sport, denn es ist verdammt anstrengend. Aber obwohl du so ziemlich jeden Muskel im Körper trainierst, denkst du nicht darüber nach. Dein einziger Gedanke ist: wie komme ich da hoch? (Manchmal auch: wie komm ich wieder runter?!)

Ich war so begeistert, dass ich eine Zeit lang jede Woche mindestens einmal an der Wand hing. Schon bald waren meine Rückenschmerzen passe. Meine Arm- und Beinmuskeln wurden schön definiert und nachdem ich mich an den Überhang wagte, zeigte dies auch bei meinen Bauchmuskeln Erfolge. Für mich hatte sich eine völlig neue Welt aufgetan. Das war tatsächlich Sport – und es machte Spaß.

Der Rest ist Geschichte. Mein Kletterpartner gab zwar irgendwann das regelmäßige Training auf, aber ich blieb dabei.  Als Ausdauer-Ausgleich suchte ich mir Laufen. Hier brauchte ich allerdings auch mehrere Anläufe. Den Einstieg schaffte ich übrigens mit dem eBook: Get ready to run. Mittlerweile kam noch Yoga zur Erweiterung der Gelenkigkeit und Sinneserweiterung im Kopf hinzu.

Mittlerweile bin ich mit einem Mann zusammen, für den Sport ebenso ein selbstverständlicher Teil des Alltags ist. Er hat seine eigenen Sportarten, die für ihn am besten funktionieren. Ich hab meine. Das bedeutet, wir sporteln nicht zusammen, aber unterstützen uns mental dranzubleiben.

Wenn heute also jemand das Wort unsportlich in den Mund nimmt, kann ich nur lachen. Du hast ja gar keine Ahnung. Bloß viele Ausreden. Ernsthaft, Unsportlich ist ein Mythos aus dem Reich der Komfortzone.

Meine wichtigsten Tipps:

  • Es gibt für jeden die richtige Sportart. Probiere so lange aus, bis du eine gefunden hast die für dich funktioniert. Fast alle Sportvereine bieten Anfänger- oder Schnupperkurse. Bei Fitnessstudios gibt es Probetrainings. Oder frag einen Bekannten ob er dich zu seinem Sport mal mitnimmt. Meistens findest du dann auch schnell Anschluss zu anderen. Das motiviert nochmal ein Stück mehr.
  • Gib nicht zu schnell auf. Jeder hat mal klein angefangen. Gib dir die Chance besser zu werden. Du solltest genau entscheiden ob es bloß anstrengend ist (das ist gut, mach weiter!) oder ob es wirklich absolut unerträglich ist. Du solltest auch keine Angst davor haben, ausgelacht zu werden. Die guten Sportler wissen, wie schwer der Anfang ist. Als ich mit Laufen begonnen hab musste ich zwischendurch oft Gehpausen einlegen. Von den Läufern die mir auf der Strecke entgegen gekommen sind hab ich wenn überhaupt nur aufmunterte Blicke bekommen. Kein einziges Mal hat mich jemand ausgelacht. Sie waren alle schon mal an diesem Punkt. Nur nicht alle geben es zu.
  • Mach den Sport fancy. Kauf dir tolle Kleidung, Ausrüstung (toll ist übrigens nicht immer gleich teuer), poste Bilder auf Instagram, erzähle jedem davon, dass du jetzt diesen Sport treibst. Such dir Menschen, für die der Sport auch in erster Linie Spaß und nicht Wettbewerb ist. Nimm das alles nicht so ernst. Es ist zwar Sport aber, fuck, in erster Linie solltest du Spaß haben. Jede Mengen fucking geilen Spaß. Darum geht´s in Wirklichkeit und nicht wer der beste oder schnellste ist. 

In den nächsten Beiträgen erzähle ich dir etwas über meine Lieblingssportarten und was du dort am Anfang wissen solltest.

Hier gehts zu allen Beiträgen der Mini-Serie: 

Teil 1: Klettern und Bouldern 

Teil 2: Laufen

Teil 3: Yoga

Bis dahin, erzähl mir deine Ausreden für Unsportlichkeit in den Kommentaren.

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Ich bin Sarah. Musikerin, Nerd und hazeleyednerd in Person. Wenn du mehr über mich erfahren willst, kannst du das hier tun.

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