Interview mit Laura von lesswaste-lessworries

Ich durfte Anfang April die liebe Laura von lesswaste-lessworries interviewen. Nachdem ich an ihrem Workshop teilgenommen habe, interessierte es mich wirklich, mehr über ihren Lebensstil zu erfahren. Dadurch hat sie mir nicht nur erzählt, was sie inspiriert hat sondern auch wie du am besten mit Zero Waste startest.

Das Interview wurde persönlich mit Laura geführt. Eventuelle umgangssprachliche Ausdrucksweisen wurden absichtlich nicht entfernt, damit du dich möglichst gut in den Ton des Gesprächs einfühlen kannst.

 

Hazeleyednerd: Hallo Laura, schön dass du hier bist. Bitte stell dich doch erst mal kurz vor.

Laura: Ja, gerne. Also, ich bin Laura, ich bin jetzt 30 Jahre alt, bin endlich mal mit dem Studium fertig, wohne hier in Saarbrücken und versuche, müllfrei zu leben.

 

H: Was hast du studiert?

L: Englisch und Spanisch auf Lehramt zuerst. Das hab ich auch schon länger fertig, schon ein paar Jahre. Dann hab ich aber parallel noch angefangen, Computerlinguistik zu machen. Gleichzeitig, und hab dann gedacht: „Jetzt mach ich´s noch schnell fertig.“ Aber schnell war dann doch nicht so schnell, daher hat´s jetzt bis Februar oder so gedauert.

 

H: Ok, cool. Und willst du später Lehrer werden?

L (lacht): Das weiß ich noch nicht. Dafür müsste ich jetzt ins Referendariat oder ich überleg ob ich mir ´ne Promotionsstelle suche, oder einen Job in der Computerlinguistik. Da bin ich ein bisschen unentschlossen, deswegen hab ich mich bisher auch noch ums Bewerbungsschreiben gedrückt.

 

H (lacht): Ok, kann ich verstehen. Aber erzähl mal, wie hat das bei dir angefangen, mit der Zerowaste-Bewegung? Gab´s da einen Auslöser?

L: Naja, es war eigentlich ein Weg dahin. Meine Examensarbeit hab ich über die Sprache von Kochsendungen geschrieben, dadurch bin ich dann auf den Essenszweig gekommen. Ich hab mich über verschiedene Essensweisen, zum Beispiel Vegetarismus oder Veganismus, informiert und da bin ich dann irgendwie auf das Thema Plastikfrei gekommen. Ich weiß gar nicht mehr so genau, wie. Dann hab ich den Blog myplasticfreelife.com von Beth Terry gefunden. Um mich vor der Arbeit zu drücken hab ich den innerhalb von ein paar Tagen einmal komplett durchgelesen.

H (lacht)

L: Irgendwann hatte ich die Arbeit abgebeben und wir sind in Urlaub gefahren. Der Strand dort war dann aber überraschend sauber.

 

H: Wo war das?

L: Wir waren ein paar Wochen in Israel. Nachts wurde es aber zunehmend windiger und dann wurde doch Zeug angespült, Plastiktassen und so. Ich hab mich auch schon gewundert. Dort ist es so, dass auf dem Strand, der ist ziemlich breit, ganz viele Bars sind. Die servieren ihre Getränke in Plastikbechern. Da hab ich mich schon aufgeregt, wie das sein kann. Denn grade die, die doch so nah am Meer leben, die müssten doch grade drauf achten. Naja, bis mir aufgefallen ist dass ich selber ja auch nicht drauf achte. Warum sollte ich jetzt denen, die direkt am Meer wohnen, auferlegen, dass sie darauf achten müssen?

Dann hab ich beschlossen, auch so ein bisschen umzustellen. Dann hab ich auch den Blog zerowastehome.com von Bea Johnson gefunden. Dadurch hab ich auch versucht, komplett andere Müllarten zu reduzieren, nicht nur Plastik. 

 

H: Und wie lang ist das jetzt her?

L: Hm, also angefangen hat das 2012.

 

Laura mit dem Müll der mittlerweile bei ihr anfällt. Das meiste ist Biomüll, Papier und Glas und nur noch ein minimaler Teil Plastik.

 

H: Oh, das ist ja schon ´ne ganze Weile.

L: Ja, das war immer schrittweise. Wobei ich dann auch irgendwann so ein Plateau erreicht hatte, wo ich schon alles, was ich an Plastik loswerden konnte oder bzw. nicht mehr eingekauft hatte, auf einer Ebene hatte. Es gab eben noch keinen Unverpacktladen, weder in Karlsruhe, wo ich ab und zu meine Eltern besuche, noch hier…naja, hier ja immer noch nicht. [Anmerkung: gemeint ist Saarbrücken] Ja, und dann ging´s halt irgendwann nicht mehr weiter. Denn Reis wollte ich ja schon noch…naja ich wollte nicht nur Kartoffeln und Gemüse essen.

 

H: Klar.

L: Ja, aber in Saargemünd gibt´s einen Bioladen, mit einer Wand Unverpackt-Sachen. Den hab ich gefunden und dann ging´s wieder ein bisschen weiter runter. Danach gab´s den Unverpacktladen in Karlsruhe, der hat letztes Jahr geöffnet. Dann konnte ich da einkaufen, wenn ich auf Heimatbesuch war. Dadurch ist es dann immer weniger geworden.

 

H: Gibt`s jetzt irgendwas bei dem du sagst, du bekommst das absolut nicht unverpackt? Wo du es gerne hättest aber es einfach nicht geht?

L: Also bei Unterwäsche zum Beispiel finde ich Plastik vermeiden komplett unmöglich, genau wie Strumpfhosen und so Sachen eben. Nori-Blätter und so Zeug gibt´s halt auch einfach nicht. Die würden ja auch sofort Wasser ziehen. Weiß nicht, wie das funktionieren sollte. Ja, also auch Medikamente.

 

H: Stimmt, ja.

L: Aber bei manchen Sachen wie Medikamenten akzeptier ich das dann auch. Wenn ich heimkomme, fallen mir bestimmt noch 10 andere Sachen ein.

 

H (lacht): Ja, aber klar. Ich weiß was du meinst. Es gibt eben Dinge, da existiert keine Alternative bisher. Gibt´s irgendwas Bestimmtes womit du angefangen hast? Wo du sagst, das waren die ersten Sachen die ich jetzt umgestellt hab?

L: Hmm, ich glaube es war Obst und Gemüse. Wir haben auch vorher angefangen Bio zu kaufen, aber im Biomarkt trotzdem noch verpackte Sachen gekauft oder bzw. die Bio-Sachen im Supermarkt. Aber die sind ja oft auch verpackt.

 

H: Ja, stimmt.

L: Das haben wir eigentlich zuerst aussortiert. Dann hab ich angefangen, einen Strohhalm mitzunehmen in Restaurants und Bars. Ich glaub schon, dass ich beim Essen angefangen und dann im Bad weitergemacht hab. Synthetik-Sachen bei Klamotten hab ich noch nie viel gekauft, weil ich das einfach unangenehm finde.

 

H: Ja, macht Sinn.

Was sind denn deine Vorbilder? Du hast Bea Johnson genannt, gibt es noch jemanden bei dem du sagst, das ist ein Vorbild? Oder gibt es einen Blog den du regelmäßig liest?

L: Im Moment lese ich gar keine Blogs, aber am Anfang hab ich den von Beth Terry komplett durchgelesen und als ich Bea Johnson entdeckt hab, hab ich dort auch alles gelesen, inklusive ihrem Buch. Ansonsten lese ich wie gesagt selbst nicht viele Blogs. Ich lese hauptsächlich Bücher über Hintergrundinfos allgemein über Nachhaltigkeit.

 

H: Naja, ich glaub du bist ja schon gut dabei. Da gibt´s nicht mehr viel Neues für dich, oder?

L: Naja, bei Alternativen zu verpackten Sachen eigentlich nicht. Aber ich möchte einfach mehr die Hintergründe verstehen. Jetzt lese ich grade etwas über die Politik des Essens zum Beispiel. Sowas interessiert mich auch, obwohl es jetzt nicht unbedingt was mit Plastik zu tun hat, aber schon mit Nachhaltigkeitsthemen.

 

H: Worum geht es in dem Buch?

L: Ich hab damit eigentlich erst angefangen. Der Autor Harald Lemke geht verschiedene philosophische Theorien durch, unter anderem auch von Peter Singer. Wo man sich die Frage stellt, wenn so viele Menschen auf der Welt in Armut leben und nichts zu essen haben, kann ich dann eigentlich in Deutschland ins Restaurant gehen und mir ein 5-Gänge-Menü gönnen? Also kann ich das von der Ethik her vertreten?

Ich schau mir einfach verschiedene Theorien an. Auch was es denn heißt, wenn man Entwicklungshilfe irgendwohin schickt. Einfach, ob man sich aus ethischer Sicht rauskaufen kann, eben durch bestimmte Spenden. Das ist so die Diskussion die ich verfolge.

 

H: Hm, klingt spannend.

L: Ja, das ist mir alles auch noch nicht so klar. Mit Philosophie hab ich mich einfach noch nicht so viel beschäftigt. Und das ist doch schon sehr auf philosophischer Ebene. Ich bin mal gespannt ob das Buch noch praktischer wird gegen Ende.

 

H: Aber auf jeden Fall sind ein paar interessante Fragen dabei, bei denen es sich lohnt mal drüber nachzudenken.

Andere Frage, wie sieht´s bei deinem Mann aus? Unterstützt der dich dabei?

L: Ja, er hat einfach angefangen darauf zu bestehen, dass wir nur Bio-Lebensmittel einkaufen. Klamotten kauft er überhaupt nicht viel und auch nicht gerne, aber wenn, dann möchte er schon dass die aus Bio-Baumwolle und Fair Trade sind. Beim Thema Plastikfrei macht er auch ganz gut mit. Bei Zahnpasta nicht so wirklich, auch nicht bei Zahnbürsten und so. Und wenn ich nicht genug Kekse backe, dann geht er auch einfach los, sich Gummibärchen und Kekse kaufen. Solange es nicht seinen Schokoladenfluss irgendwie stoppt, dann macht er mit.

 

H (lacht): Sehr gut.

L: Ich find´s auch lustig, am Anfang hat er einfach nur so mitgemacht. Wenn er jetzt irgendwas kauft was verpackt ist und da drin ist nochmal ne Verpackung, also eine Tafel Schokolade zum Beispiel, dann schimpft er: „Wie, warum ist da denn nochmal Plastik drin? Was ist denn das jetzt?“ Das finde ich dann immer ganz lustig zu sehen.

 

H: Bei uns zu Hause achtet mein Freund mittlerweile auch auf unnötige Verpackung. Aber zu Beginn, wenn ich beim Wocheneinkauf extra ein paar Gemüsenetze eingepackt habe, hat er die teilweise noch beiseite gelegt, weil er damit noch nicht so viel anfangen konnte. (lacht)

L: Letztens war mein Mann einkaufen und ich hab gesagt: „Du kaufst Zitronen, wenn die unverpackt sind und Knoblauch.“ Dann kam er zurück und hat gemeint: „Die Zitronen gab´s nur verpackt, deswegen hab ich keine gekauft.“ Aber dann hat er drei Knoblauchknollen gekauft, die verpackt waren. Ich hab ihn gefragt: „Aber wo ist da jetzt der Unterschied?“ Seine Antwort: „Ich dachte der Knoblauch wäre dringender.“ (lacht)

 

H (lacht): Sehr schöne Geschichte.

Gibt es eigentlich etwas ohne das du nie aus dem Haus gehst? Irgendwas bei dem du sagst, das hast du immer dabei?

L: Ein Stofftaschentuch hab ich eigentlich immer dabei, manchmal nicht das Sauberste aber ich hab immer eins dabei. Ansonsten kommt es drauf an wo ich hingehe. Jetzt zum Beispiel hab ich einen Strohhalm dabei, manchmal eine Wasserflasche, zum Wiederauffüllen. Wenn ich einkaufen geh, hab ich meine Dosen dabei. Auch wenn ich essen geh hab ich auch immer eine Dose dabei für die Reste. Ja, es kommt drauf an, das hängt einfach von der Planung ab. Wenn ich gut geplant hab, hab ich dabei was ich brauche. Wenn nicht, dann Pech gehabt. (lacht).

 

H: Okay, aber du stresst dich da jetzt nicht. Wenn du nichts dabeihast, aber trotzdem was mitnehmen willst, machst du dann eine Ausnahme?

L: Ich muss eigentlich fast nie Ausnahmen machen, weil ich hab immer irgendwas dabei wo ich Obst oder Gemüse reinmachen kann. Wenn ich jetzt kein Netz dabei hab, kauf ich mir halt keinen Feldsalat zum Beispiel. Dann kauf ich mir einen Kopfsalat oder irgendwas. Also eigentlich ist das selten der Fall, dass ich wirklich was brauch und den Behälter oder so vergessen hab. Und wenn, dann kauf ich halt was Anderes.

 

H: Wo kaufst du denn am liebsten ein?

L: Meinst du hier in Saarbrücken, oder…?

 

H: Ja, überhaupt. Muss ja nicht nur in Saarbrücken sein.

L: Am liebsten in kleinen Bioläden oder auf dem Markt. Hier in Saarbrücken kaufe ich am liebsten bei Mutter Erde ein oder eben auf dem St.-Johanner-Markt am Samstag. Wenn ich da hingehe, hab ich eigentlich auch alles, was ich so brauche für die Woche. Einige Nahrungsmittel bekomme ich auch durch Foodsharing. Saft zum Beispiel hol ich mir gerne am Früchtekreis.

[Anmerkung: Früchtekreis ist ein Obsthändler in Saarbrücken, der auch frisch gepresste Säfte anbietet]

Am Anfang hab ich das noch nicht so gemacht, da bin ich einfach in den Supermarkt gegangen und hab da unverpackt gekauft. Aber mittlerweile versuche ich auch, die kleineren Läden hier zu unterstützen, wenn es irgendwie geht. Und meistens ist das Mutter Erde, oder auch der Markt donnerstags auf dem Max-Ophüls-Platz.

 

H: Den kenn ich gar nicht.

L: Der ist nachmittags und abends, da kaufe ich auch ganz gerne ein. Ich glaub das sind auch alles Bio-Stände.

 

H: Du kaufst auch im Unverpacktladen in Karlsruhe.

L: Ja, genau. Ich würde natürlich lieber hier im Unverpacktladen einkaufen. [Anmerkung: Gemeint ist die Nachfüllbar: https://www.facebook.com/unverpacktsaarbruecken/ ]

 

H: Naja, hier herrscht ja immer noch so eine Diskussion. Der eine Laden macht jetzt gar nicht auf und bei dem anderen weiß ich nicht wann.

L: Ja, sie [die Ladenbetreiberin]
wartet noch so ein bisschen auf die Banken.

 

H: Ah, okay.

L: Ja, es wäre praktischer weil so muss ich bevor ich nach Karlsruhe fahre, all mein Zeug zusammensuchen, muss mir aufschreiben was ich brauche und muss auch die dementsprechenden Mengen kaufen. Für Reis oder so klappt das immer. Für Nudeln, die eigentlich nur mein Mann isst, klappt das nie und für Schokolade schon mal gleich gar nicht. Da verschätz ich mich immer. Da wär´s halt praktischer, wenn ich auch nicht jede Sorte Zeug im Schrank lagern müsste, sondern sagen könnte: „Okay, diese Woche ist der Reis dran und wenn der leer ist dann kauf ich Couscous.“ Das wär ja dann auf dem Weg und ich müsste nur schnell dran vorbeilaufen.

 

H: Das stimmt, die machen doch hier in der Nähe auf.

L: Ja, in der Bruchwiesenstraße. Das ist am Landwehrplatz, das ist ja dann auch praktisch mit Parken und so und mit der Anbindung per Saarbahn.

 

H: Gab es irgendwas, womit du zu Beginn richtig Schwierigkeiten hattest? Irgendwas bei dem es dir super schwer gefallen ist zu verzichten oder eine müllfreie Alternative zu finden?

L: Hm, das ist schon so lange her. Aber vor allem die Grundlagen wie Pasta, Reis, als ich da noch nicht unverpackt rangekommen bin. Wahrscheinlich auch Süßigkeiten. Ständig beim Karstadt unten die Gummibärchen kaufen ist auch ein bisschen teuer.

 

H: Stimmt, die gibt´s ja da unten [Anmerkung: in der Lebensmittelabteilung bei Karstadt gibt es einen Bereich, in dem Süßigkeiten, wie etwa Gummibärchen, lose gekauft werden können.]

L: Problematisch war, die Familie so ein bisschen einzubinden. Weil wenn die einen nur alle paar Monate sehen, dann wissen die ja nicht was man in der Zeit alles umgestellt hat. Das hat ein bisschen gedauert bis das alles angekommen ist. Aber es ist schon irgendwie ein bisschen zu lange her, als dass ich mich jetzt noch so dran erinnere.

 

H: Klar. Das Thema mit der Familie kenne ich. Als ich angefangen habe, Vegetarierin zu werden und dann zum Essen da war, ist mir manchmal beim Essen aufgefallen, dass noch Speck drin war. Die Antwort war dann: „Ja, aber da gehört doch Speck rein!“ (lacht)

L: Ja, oder: „Speck ist ja jetzt nicht so Fleisch!“ (lacht). Da hatte ich Glück, dass meine Schwester gleichzeitig auch aufgehört hat, Fleisch zu essen. Aus anderen Gründen aber trotzdem. Wenn wir dann zu Besuch waren, war das eigentlich klar. Aber ich bekomme trotzdem noch von meiner Oma immer Fleisch angeboten.

 

H (lacht): Klar.

Du hast ja ein Müllglas, richtig? Was landet da so drin?

L: Hauptsächlich Kassenzettel. Oder Paketklebeband, bei dem ich mir auch noch nicht so ganz sicher bin. Margarinepapier, wobei ich davon langsam auch nicht mehr so viel kaufen will. Ansonsten Haargummis, oder wenn ich Frühlingszwiebeln kaufe, die mit ´nem Gummi zusammengebunden sind. So Sachen eigentlich. Meine Menstruationstasse die ich verkokelt hab ist da auch mit drin.

 

H: Okay, was ist da passiert?

L: Naja, die muss man ja auskochen ab und zu. Dann hab ich die auf den Herd gestellt in so einem kleinen Topf und dann bin ich ins Arbeitszimmer. 2 Stunden später ist sie mir wieder eingefallen. Da war das Wasser natürlich schon lange weg und die Tasse lag noch drin.

 

H (lacht): Ups!

L: Ja. (lacht). Naja, und das sind dann die Sachen die im Müllglas landen.

 

H: Verstehe. Und alles andere wird bei dir recycelt? Papier, Glas…

L: Genau. Ich hab noch 3 gelbe Säcke pro Jahr. Da ist so der Rest drin. Metall und so bring ich ab und zu mal zum ZKE [Anmerkung: Name des städtischen Entsorgungsbetriebs]. CDs und so Sachen, wobei, hab ich jetzt auch keine mehr. Da fällt dann auch nichts mehr an. Womit ich auch noch so ein bisschen Probleme hab sind Textilien. Weil ich da so viel auch gelesen hab, dass die nicht ordnungsgemäß entsorgt werden. Dass die manchmal wirklich gebündelt und nach Afrika geschickt werden. Da hab ich immer noch so ein bisschen Zwiespalt, was ich mit den Sachen machen soll. Ich hab auch grade noch einen Beutel daheim wo ich mal noch recherchieren muss, was ich mit denen genau anstelle.

 

H: Wo kaufst du Kleider, wenn du neue kaufst?

L: Tja, also ich muss jetzt nämlich langsam mal Bewerbungsfotos machen. Dafür brauche ich Sachen zum Anziehen und ich hab keine Ahnung. Ich war jetzt heute los und hab mal die Secondhand-Läden abgeklappert. Aber so Blusenmäßig oder so war da jetzt auch nix dabei. Ich bin tatsächlich jahrelang ganz gut mit Secondhand klargekommen, aber da war ich auch noch Studentin, da war´s egal und nicht so wichtig. Ja, und jetzt muss ich mal schauen. Auf Avocadostore werd ich jetzt mal noch schauen was ich da finde. Zumindest irgendwas in Fair Trade und Bio möchte ich gerne finden.

 

H: Ich finde Secondhand ist hier auch nicht so cool von der Auswahl her, oder?

L: Nee, wobei jetzt hat grade ein neuer aufgemacht am Samstag, in der Försterstraße. So ein ganz kleiner, aber gut ausgesuchte Sachen. Ich hab heute auch ein Kleid gekauft, und ich wollte eigentlich kein Kleid kaufen. Das hab ich in dem Laden in der Dudweilerstraße gefunden. In Karlsruhe schau ich auch immer in Secondhandläden. Ich finde, wenn man so wirklich, wirklich gezielt eine ganz bestimmte Sache sucht, ist es irgendwie schwierig. Man kann natürlich online schauen, bei Kleiderkreisel. Da ist es dann wieder kompliziert, dass man die Sachen nicht zurückschicken kann.

In den USA gibt´s ja dieses ThredUp wo man Sachen hinschicken kann und andere können die dann kaufen. Da kommen die Sachen wohl in einem großen Pappkarton und das Äquivalent hier verschickt jede Klamotte in einem Plastikbeutel. Ich schätze mal das hat mit dem Lager zu tun, weiß nicht. Aber ich muss jetzt echt mal kucken wo ich was herkriege. Schnellstmöglich! Meine Mutter strickt ganz gut, meine Schwester näht eigentlich auch sehr gut. Aber trotzdem, die Bluse muss ich jetzt einfach kaufen.

 

H: Klar. Aber ich meine, wenn sie ja nachhaltig produziert ist, geht´s ja noch. So eine Bluse hält ja ewig.

L: Ja, stimmt schon. Aber ich hab immer so leichte Gewichtsschwankungen. Die mag zwar halten, aber das heißt nicht, dass ich dann da nicht rausgeschrumpft oder rausgeplatzt bin. Mal schauen. Hier in Saarbrücken gibt´s ja auch den Grünstreifen

 

H: Stimmt, den gibt´s ja auch wieder.

L: Aber die haben auch keine Blusen. Naja, irgendwas wird sich finden. Hoffe ich.

 

H: Ja, wird schon.

Mal was Anderes, was würdest du jemandem raten, der mit Zerowaste starten will? Womit sollte er anfangen?

L: Ich würde erst mal sagen, langsam und mit Ruhe das Ganze angehen. Weil das dauert wirklich ´ne Weile, bis es umgestellt ist. Auch wenn man kein Plastik mehr ins Haus hat, spuckt es ja immer noch Plastik aus. Einfach von Sachen die irgendwann kaputtgehen oder irgendwas, was irgendwann aufgebraucht ist. Ich finde, man kann im Badezimmer oder in der Küche anfangen.

In der Küche fällt der meiste Verpackungsmüll an. Aber im Badezimmer gibt es, egal ob man einen Unverpacktladen in der Nähe hat oder nicht, für alles eigentlich Alternativen. Es dauert im Badezimmer natürlich auch ewig bis man alles aufgebraucht hat, aber es ist relativ einfach, Sachen zu finden. Außer Klopapier.

Ich würde, auch in der Küche, kucken geht das bald leer und mich dann vorher informieren, was ich als Ersatz kaufen würde, der weniger Müll verbraucht. Wenn man einen Unverpacktladen in der Nähe hat, dann ist die Küche natürlich auch schnell erledigt.

 

H: Im Bad finde ich es auch am einfachsten.

L: Ja, ansonsten kann man ja auch im Internet bestellen, Abschminkpads oder so. Die halten ja dann auch ewig.

 

H: Da hab ich auch Baumwolltücher dafür. Die sind mittlerweile zwar schon etwas verfärbt, aber sie erfüllen ihren Zweck.

L: Ja, vor allem Mascara ist ja schwer wieder rauszuwaschen.

 

H: Warst du schon mal so frustriert, dass du gesagt hast: „Boah, das ist mir alles viel zu anstrengend, ich würde am liebsten hinschmeißen und alles vergessen?“ Gab es mal einen Zeitpunkt an dem du dachtest: „Alle anderen haben´s so einfach im Gegensatz zu mir!“

L: Was mir oft auffällt ist, je mehr man weiß, desto komplizierter wird es. Früher bin ich einfach einkaufen gegangen, als ich das noch nicht alles wusste. Aber jetzt wo ich das weiß kann ich es auch nicht einfach verdrängen. Manchmal finde ich, dass die, die so unbeschwert einkaufen gehen, es vielleicht auch leichter haben. Aber jetzt wo ich einmal alles umgestellt hab, ist der Stress dann aber auch wieder weg. Ich weiß ja, wo ich meine Sachen herkriege.

Am Anfang hat es mich auch aufgeregt, was die Leute im Supermarkt so auf dem Band hatten. Aber mittlerweile geht das auch wieder. Da war so eine Phase der leichten Aggressivität.

 

H: Sprichst du die Leute drauf an?

L: Nee, gar nicht. Ich glaub nicht, dass das was bringen würde. Zum Beispiel wenn ich am Markt einkaufen geh, dann sehen viele auch die Beutel die ich benutze. Dann sagen eigentlich auch immer alle: „Ja, das ist eine tolle Idee!“ Aber ich sag dann nie: „Ja, ich mach gar kein Müll!“ weil dann glauben die das ja eh nicht. Ich sag dann lieber: „Ja, ich möchte den Müll von den Beuteln vermeiden.“ Weil ich glaube, dass das einfacher für die ist. Das ist ja nur ein Schritt. Man muss ja nicht gleich allen Müll verbannen. Bei meinen Eltern bin ich dann auch schon mal ein bisschen verzweifelt.

 

H: Haben die sich auch so ein bisschen umgestellt?

L: Naja, eigentlich nicht. Ich glaub schon, dass die noch einkaufen wie vorher. Wenn ich in Karlsruhe in den Unverpacktladen gehe, dann kommt meine Mutter auch manchmal mit. Aber sie deckt sich da trotzdem nicht komplett ein. Sie kauft dann ´ne Portion Nudeln und noch ein paar Erdnüsse zum Knabbern, aber mehr auch nicht. Ich glaub sie meint, dass das teuer ist, aber ich glaub trotzdem dass ich für 2 Personen einkaufe und wesentlich weniger Geld ausgebe, wie sie für 2 Personen.

 

H: Merkst du denn, dass es günstiger ist, müllfrei zu leben oder stellst du fest, dass es eigentlich ein bisschen teurer ist aber du nimmst das in kauf?

L: Naja, ich hab´s tatsächlich ausgerechnet. 2015 hatte ich noch keinen Zugang zu unverpackten Sachen. Ich schreib immer auf, was ich ausgebe. 2016 ist im Vergleich zum Vorjahr 18% billiger gewesen. Ohne Urlaub und sowas dazuzurechnen. Vorher hab ich 360€ pro Monat für Lebensmittel ausgegeben, jetzt sind es noch 260€.

Aber die Sachen im Unverpacktladen sind trotzdem teurer als im Supermarkt. Teurer als Aldi und DM natürlich auf jeden Fall. Ich weiß nicht, wie das hier ist. Sie [die Geschäftsführerin des Unverpacktladens in Saarbrücken der bald aufmachen soll] sagt, sie würde billiger sein als der Biomarkt. Das glaube ich auch, aber wenn ich in Karlsruhe einkaufe, sind die Sachen trotzdem teurer, als sie hier in Saarbrücken wären. Weil dort alles ein bisschen teurer ist. Aber trotzdem geb ich irgendwie weniger Geld aus.

Wenn ich mir überlege, was ich über Foodsharing kriege und das noch dazu rechnen würde, wäre es immer noch billiger. Ich glaub das kommt aber daher, dass wir jetzt kein Fleisch mehr kaufen und nur noch ganz wenig Lebensmittel wegwerfen. Eigentlich so gut wie gar nichts.

Ich versuche auch, saisonaler einzukaufen. Was nicht so klappt, weil mein Mann das ganze Jahr über hauptsächlich Tomaten und Paprika essen will. Es ist aber wirklich trotzdem billiger.

 

H: Ich hab das vor allem im Bad bei Kosmetika, Shampoo und so festgestellt, dass es viel billiger ist.

L: Ja, genau. An so einem Stück Shampooseife hab ich auch viel länger. Auch ein Stück normale Seife hält viel länger. Auch grade die Menstruationstasse spart Geld, wenn man sie nicht genau in dem Monat verbrennt in dem sie sich rentiert.

 

H (lacht).

L: Ansonsten spart die auch schon ziemlich Geld.

 

H: Welche Menstruationstasse hast du?

L: Ich benutze eine Lunette. Ich hab mich da auch lang drum gedrückt.

 

H: Ja, das ist auch grade noch so mein Thema.

L: Ja, denn ich dachte: „Naja, jetzt kauf ich die und die kostet 30€ oder so und dann passt die nicht und dann hab ich 30€ einfach verschwendet. Und am Ende muss ich noch x durchprobieren!“

Aber die hat sofort gepasst und dann war ich auch froh darüber. Es gibt ja auch billigere, für 15€ oder so. Ich hab auch schon Freundinnen gehabt die gesagt haben: „Jetzt mach halt endlich! Probier doch mal!“ Aber jetzt bin ich doch sehr froh, dass ich´s gemacht hab.

 

H: Darum drück ich mich auch noch. Aber da muss ich bald auch mal ran.

Möchtest du mir noch irgendwas erzählen, von dem du denkst, dass wichtig ist oder einfach weil du das gerne erzählen möchtest?

L: Ich möchte mittlerweile nicht mehr nur den Müll den man so sieht vermeiden, sondern auch unsichtbaren Müll. Natürlich, auch wenn man im Unverpacktladen einkauft, müssen die Sachen trotzdem irgendwie geliefert werden. Aber ich finde auch zum Beispiel, wenn man etwa pro Woche sein Kilo Schweinefleisch oder so vom Metzger unverpackt kauft, dann ist es schon besser als es vorher verpackt gekauft zu haben. Aber da würde ich zum Beispiel sagen, dass da der Einfluss der Verpackung das geringste Problem ist.

Wenn ich mich zum Beispiel auch nur von unverpackten Bananen ernähren würde, dann ist das im Großen und Ganzen nicht sinnvoll. Da denke ich, man muss aufpassen dass man sich nicht in Details verfängt indem man Sachen findet, die dann zwar unverpackt, aber eben trotzdem nicht die geniale Lösung sind.

Wie auch dieses Klopapier aus Bambus, das man ohne Plastikverpackung in der Schachtel kaufen kann. Da sollte man überlegen, ob in dem Fall nicht die Plastikverpackung nicht das geringere Problem ist. Dass man die Sachen gegeneinander aufrechnen muss. Das macht es dann aber leider auch wieder komplizierter.

 

H: Stimmt, ich weiß was du meinst.

Ansonsten war´s das eigentlich für heute. Wir haben ja über einige Themen gesprochen. Ich danke dir, für das spannende Interview und deine Zeit, die du mir dafür geschenkt hast.

L: Sehr gern, ich danke dir für das Interview, hat Spaß gemacht.

 

Falls du mehr über Laura erfahren möchtest, schau gerne auf ihrer Homepage vorbei lesswaste-lessworries.de

Oder folge ihr bei Instagram oder Facebook.

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