Ich langweile mich zu Tode!

Von mir bei hazeleyednerd liest du in letzter Zeit ziemlich wenig. Doch ich war alles andere als untätig. Ich habe mich zurückgezogen, beobachtet und nachgedacht. Mein Gehirn arbeitet auf Hochtouren, wie vielleicht noch nie in meinem Leben. Ich stelle momentan alles woran ich glaube auf den Kopf und schüttele es kräftig durch. Jeder Glaubenssatz wird genau hinterfragt. Denn ich kann nicht mehr weitermachen wie bisher. Ich kann nicht mehr die Regeln befolgen. Ich kann nicht mehr diese Frau, dieser Blogger sein. Denn ich geb´s ehrlich zu: Ich bin zu Tode gelangweilt.

Ich habe immer wieder versucht, mich an eine Blogroutine zu gewöhnen. Ich habe versucht, alle Tipps und Tricks zu beherzigen, die ich gefunden habe. Bei diversen Blog-Anleitungen, bei anderen Bloggern, in Bloggergruppen, auf Barcamps und so weiter. Ich habe mir sämtliche Tipps durchgelesen zum Thema: Was tun bei Schreibblockaden? Wie finde ich Blogbeiträge? Wie bekomme ich mehr Leser?

Dennoch habe ich es nicht geschafft, meinen Blog dauerhaft so zu führen, dass regelmäßiger Content entstanden ist. Warum ist das so? Ich liebe es doch zu schreiben, mich mit dem geschriebenen Wort auszudrücken. Gerade jetzt als ich das schreibe fliegen meine Finger nur so über die Tastatur. Warum ist das nicht immer so?

Genauso liebe ich es doch auch, Blogs zu lesen. Aber auch das habe ich in der letzten Zeit selten getan. Ich hatte richtig viele Blogs in meinem Feedreader. Blogs von bekannten Bloggern und von Freunden. Reiseblogs, Lifestyleblogs, Foodblogs. Blogs zum Thema Bloggen und Marketing. Alles sammelte sich bei Feedly an. Doch in den meisten Fällen habe ich nur die Überschrift gelesen und sie sofort weggeklickt. Die wenigen Beiträge, die ich tatsächlich geöffnet habe, habe ich überflogen. Kurz die Absätze gescannt, ein paar Wörter zwischendurch aufgenommen, das war´s. Nur wenige Blogs schaffen es weiterhin, dass ich ihre Beiträge fast begierig anklicke und jedes Wort voller Genuss aufsauge.

Doch warum? Was ist los mit mir?

Die Antwort ist so einfach, dass ich sie mir lange nicht eingestehen wollte: Ich bin zu Tode gelangweilt!

Ich bin zu Tode gelangweilt, über banale Themen zu lesen. Ich bin zu Tode gelangweilt, über banale Themen zu schreiben. Ich bin zu Tode gelangweilt, nur an der Oberfläche zu kratzen.

Zum Beispiel will ich keine Hotelbewertung mehr auf meinem Blog schreiben. Ich will keine Hotelbewertung mehr lesen. Ich will nicht mehr die 85. Aufzählung darüber lesen, warum ich unbedingt im Land XY Urlaub machen sollte. Ich will keine seelenlosen Berichte mehr über irgendwelche Städte oder Länder lesen. Ich will keine 0815-Aufzählungen mehr. Ich will nicht wissen wie es auf der letzten Veranstaltung war, die du besucht hast. Ich will auch nichts dergleichen mehr schreiben. Ich sag es nochmal, so hart es klingt:

All das langweilt mich zu Tode!

Ich weiß, dass ich mich mit diesem Beitrag hier wahrscheinlich unbeliebt mache. Bei befreundeten Bloggern, bei Agenturen, die mich zu Bloggerreisen eingeladen haben, bei Lesern und Fans.

Aber ich muss es schreiben! Ich habe mal einen Schauspielkurs besucht. Einer der Sätze, die die Leiterin mir mitgegeben hat, war: Hör auf, in Checklisten zu reden!

Fuck, genau das ist es. Ich muss nicht nur aufhören, in Checklisten zu reden, sondern auch aufhören, in Checklisten zu schreiben. Was macht einen Blog so unvergleichbar, so unverwechselbar? Die Tatsache, dass der Blogger ein Stück seiner selbst mit reinpackt. Also werde ich aufhören Blogs zu lesen, die mir die Fakten zu den Orten aufzählen die der Blogger besucht hat. Ich werde keine Blogs mehr lesen, die mir nur die touristischen Highlights auflisten. Wenn ich das wissen möchte, gehe ich zu Yelp oder TripAdvisor. Auf einem Blog möchte ich Geschichten lesen.

Um die Blogger die das hier lesen direkt anzusprechen: Was hat dich genau zu dem Ort geführt, über den du schreibst? Von all den tausend Orten auf der Welt, warum gerade hier? Was fühlst du in dem Moment, in dem die Füße diesen Boden berühren? Welchen Menschen bist du begegnet? Welche Gerüche hast du gerochen? Warst du aufgeregt? Entspannt? Traurig?

Ich will an dem Erlebnis teilhaben und nicht bloß die Zahlen und Fakten kennen.

Wenn du als Blogger eine Veranstaltung besucht hast, erzähl mir nicht, welche Themen behandelt wurden. Was bringt mir das? Ich war nicht dort, ich kann mir diese Vorträge also nicht mehr anhören. Warum sollte es mich interessieren? Und nein, es interessieren mich auch nicht die Bilder des Essens das es dort gab. Aber es interessiert mich, was du gelernt hast. Welche neuen Gedanken du dort entwickelt hast, welche neue Glaubenssätze sich für dich herauskristallisiert haben. Zu welcher Erkenntnis bist du gekommen? Was hat dich erstaunt, verärgert, belustigt?

Erschüttere mich, bring mich zum Lachen, zum Weinen, zum Toben oder zum Nachdenken. Aber hör auf mich mit Oberflächlichkeit zu langweilen.

Ich verspreche dir, ich werde ebenso meinen Teil dazu beitragen.

Hazeleyednerd wird einen Relaunch erfahren. Dazu werden hier auch Blogbeiträge verschwinden. Was bei den meisten Bloggern ein No-Go ist, werde ich durchziehen. Ich will diese oberflächlichen, langweiligen Beiträge nicht mehr lesen, auch nicht bei mir selbst.

Als weitere Konsequenz habe ich viele Blogs aus dem Feedreader gekippt. Auch von Bloggern die ich gerne mag. Eure Blogs mögen ihre Existenzberechtigung haben, immerhin habt ihr hunderte Leser. Der Blog ist euer Ding und steht euch frei zu gestalten. Nur mir steht es ebenso frei, diese Blogs nicht mehr zu lesen.

Genauso habe ich mein Instagram aufgeräumt. Auch hier bin ich etlichen Accounts entfolgt. Auch hier werde ich bei mir im Profil aufräumen und aufhören, Langweiliges zu posten. Oder schlecht komponierte Bilder. Ich werde dir Bilder zeigen, weil mich der Moment grade bewegt und ich dich teilhaben lassen will. Nicht, weil das ein gutes Instagram-Bild abgibt. Und ich werde Accounts folgen, die das ebenso tun.

Gleiches Spiel mit Facebook. Hier habe ich die Freundesliste aufgeräumt, Gefällt-mir-Angaben zurückgezogen, Beiträge verborgen, bin aus Gruppen ausgetreten. Twitter nutze ich fast gar nicht mehr. Wenn überhaupt, dann nur um einen spontanen Gedanken zu teilen, weniger um zu lesen. Google+? Darüber brauchen wir gar nicht zu reden.

Bin ich jetzt abgehoben deswegen? Kannst du mich jetzt nicht mehr leiden? Sorry wenn du vielleicht so denkst, aber dann kann ich es nicht ändern. Fakt ist, ich habe festgestellt: Das Leben ist kurz. Auch wenn ich es schon tausendmal gelesen habe, wurde mir die Bedeutung dieses kleinen Satzes erst jetzt wirklich bewusst.

Das Leben ist kurz!

Zu kurz um sich mit Dingen zu beschäftigen, die nur bis an die Oberfläche dringen. Zu kurz um Lebenszeit auf Banalitäten zu verschwenden, die mich nicht berühren, die keine Emotion in mir auslösen. Zu kurz, um mich mit Langweiligem zu beschäftigen. Und ich glaube, tief in dir drinnen geht es dir ähnlich.

Also, fuck, hören wir alle auf, oberflächlich zu sein. Lass uns aufhören, nett und angepasst zu sein. Hören wir auf, Testberichte und Ratgeber zu schreiben, sondern lass uns Geschichten erzählen. Zumindest werde ich das tun. Mit allen Konsequenzen.

Bist du dabei?

7 Responses
  1. Hallo Sarah!
    Danke für diesen tollen Artikel!
    Hier und da hast Du mir aus der Seele gesprochen. Diese „Diese x Dinge musst Du…“ Artikel finde ich schon lange extrem anstrengend und lese ich gar nicht mehr. Ich glaub es Kristallisieren sich zwei Bloggerwelten heraus: Die Eine, die versucht Geld, Waren oder Vorteile durch einen Blog zu erzielen und die Andere, die einfach ihre Gefühle, Emotionen und Eindrücke teilen möchten. Für mich ist letztere Bloggerwelt eigentlich die Richtige. Das macht ein Blog für mich aus. Sonst kann ich auch auf echten journalistischen Content oder Werbung zurückgreifen.
    Mir gelingt nicht immer der Spagat, aber ich versuche mein Ding zu machen.

    Ich verfolge Deinen Weg gespannt und wünsche Dir viel Spaß dabei und ich freu mich Dich zu lesen!!

    Lieben Gruß
    André

    1. Sarah

      Hallo André,

      danke dir. Für mich ist definitiv auch die letzte Bloggerwelt die richtige. Es fühlt sich für mich einfach besser an, Teil dieser zu sein.

      Lieber Gruß zurück,

      Sarah.

  2. Natürlich bin ich dabei! 🙂
    Freut mich, dass du erkannt hast, was du wirklich tun möchtest und nicht einfach einer Anleitung folgst. Es ist dein Leben, dein Blog, also mach alles auch so, wie du es möchtest! Ich bin auch kein Fan dieser „x Dinge, die du mal gesehen haben musst“ oder Berichten, in denen jemand davon berichtet, dass er an einer Stadttour teilgenommen hat und dann nur schreibt: „erst sind wir da hin gegangen und danach da hin und dann habe ich mir ein Eis gekauft“ und dann können sie nicht mal den Geschmack des Eises beschreiben. Verstehst du, was ich meine?
    Ich werde auf meinem Blog auch bald eine Geschichte erzählen. Eine zweiwöchige Reise liegt hinter mir. 🙂
    Mach weiter so!
    Bis bald,
    Mia 🙂

    1. Sarah

      Hallo Mia,

      danke dir. Es bestärkt mich, Menschen zu finden die das genauso sehen. Ich freu mich auf deine Geschichte auf dem Blog.

  3. Cora

    Liebe Sarah,

    danke! Du sprichst mir aus der Seele, hast genau den Punkt getroffen. Ich bin da ganz bei dir und kann gut verstehen, warum du Saarmeica auflösen und hazeleyednerd eine neue Ausrichtung geben wirst. Mir bzw. uns geht es ganz ähnlich mit unserem kleinen Blog: wir wollen den Lesern erzählen, was uns bewegt, was wir empfunden haben, Begeisterung teilen. Ich fragte mich von Zeit zu Zeit, wie ich jemals einen authentischen Blogpost über „XY musst du unbedingt in Stadt A tun“ hätte schreiben sollen. Kann ich nicht, will ich nicht, werde ich nicht.
    Stattdessen wird es weiterhin meine und unsere Geschichten geben, voller Begeisterung und persönlichen Eindrücken.
    Also, ich finde es toll, dass du diesen Weg gehst und da hinter stehst, und ich wünsche dir von Herzen viel Erfolg und vor allem Spaß damit!
    Liebe Grüße von Saarländerin zu Saarländerin,
    Cora

    1. Sarah

      Hallo Cora,

      danke dir für deine lieben Worte und Unterstützung.
      Ich fühle mich auch nach wie vor gut mit dieser Entscheidung. Ich will in nächster Zeit einfach mal rumprobieren, welche Blogposts sich für mich am besten anfühlen. Aber ich will dabei nicht bloß oberflächlich sein, sondern wirklich nur über das schreiben was mich bewegt, motiviert oder inspiriert.
      Mir gefällt euer Blog übrigens sehr gut, zumindest was ich jetzt beim kurzen Rumstöbern so gesehen habe. Ich glaube da werde ich mir definitiv mal ein paar Reisegeschichten durchlesen.

      Liebe Grüße zurück,

      Sarah.

      1. Oh danke sehr für dein Lob, es freut mich, wenn unser noch kleiner Blog gut ankommt.
        Und es freut mich, dass du glücklich mit deiner Entscheidung bist. Weiter so und ich werde hier definitiv zukünftig öfter reinschauen. 🙂

        Viele Grüße
        Cora

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