Ein Hoch aufs Nichtstun

Ich hab endlich Urlaub. Nachdem ich die erste Hälfte des Jahres urlaubsfrei durchgearbeitet habe, wurde es auch langsam Zeit. Doch was mach ich mit dieser Freiheit? Ich verbringe sie mit Nichtstun und finde es großartig. Lies hier, warum ich nicht mal ein schlechtes Gewissen habe.

Kennst du das? Endlich Urlaub, endlich Freizeit. Also schon Wochen vorher Pläne schmieden, was du im Urlaub tun willst. Am besten die freien Wochen mit allem Möglichen vollpacken. Fernreisen, Kurztrips, Tageausflüge was auch immer. Oder wenn du zu Hause bleibst: Kulturausflüge, Shopping-Touren, Besichtigungen, endlich das Hobby-Projekt fertig gestalten oder den Garten auf Vordermann bringen. Wenn das alles nicht reicht, dann kann man ja noch eine neue Fähigkeit oder Sprache lernen oder sich sonstwie weiterbilden. Denn jetzt ist ja Urlaub, du kannst machen was du willst und die Zeit will genutzt werden. Nur keinen Tag vergeuden.

Doch ist das wirklich Erholung? Ich glaube nicht. Meist fühle ich mich nach so einem Urlaub, als bräuchte ich Urlaub vom Urlaub. Ich habe das erste Halbjahr durchgearbeitet. Außer an den Wochenenden und ein paar freien Tagen ist dies mein erster richtiger Urlaub. Neben der Arbeit gab es noch einen Umzug zu bewältigen, das neue Design des Blogs einzurichten, die Wohnung will auch ständig aufgeräumt werden und mein Körper verlangt nach regelmäßigem Sport. Ich lese ständig Bücher und Blogs um mich weiterzubilden, meine Skills zu verbessern oder meinen Horizont zu erweitern. Zudem versuche ich immer noch rauszufinden wer ich eigentlich wirklich bin und wo ich hinwill. Nicht zu vergessen, dass ich einen großartigen Freund habe, dem ich ebenfalls meine vollste Aufmerksamkeit widmen möchte.

All das teilte sich den Raum in meinem Kopf.

Jetzt hab ich endlich Urlaub und pro Tag acht Stunden mehr Freizeit, mehr Zeit für all das. Ich hab mir unglaublich viele Pläne zurecht gelegt, was ich in meinem Urlaub tun will. Ich wollte die Zeit unbedingt nutzen und bis zum Rand anfüllen.

Die ersten paar Tage wollte ich mir gönnen, um abzuschalten bevor ich mit meinen Plänen durchstarte. Ein paar Tage faulenzen und dann sollte es losgehen. Dann ist etwas Unglaubliches passiert. Ich hab meinem Körper und meinem Kopf erlaubt abzuschalten und hab festgestellt wie gut es mir tut. Ich lechzte richtig danach, nach dem Nichtstun. Nirgendwo hin zu müssen. Keine festen Termine zu haben. Keine Verpflichtungen, keine Aufgaben, keine Projekte.

Ich konnte ausschlafen bis ich von allein wach wurde. Ich konnte mir ein leckeres Frühstück gönnen und fühlte mich ausgeruht und fit, sogar ohne Kaffee. Danach konnte ich tun und lassen, was ich wollte. Ich hab viel gelesen, bin ziellos durch die Stadt geschlendert, hab endlos in meinen Gedanken gehangen und den Tag einfach in der Hängematte dahinplätschern lassen. Wenn mein Freund mich abends gefragt hat, was ich den ganzen Tag gemacht hatte, hatte ich oft keine richtige Antwort. Keine Ahnung, nicht viel eben. Um die Wahrheit zu sagen, ich hab nichts getan.

Noch jetzt, wenn ich es schreibe hört es sich falsch an. Mein schlechtes Gewissen will sich wieder an die Oberfläche schleichen. Es flüstert mir ins Ohr, dass alle anderen Menschen super produktiv sind, während ich in der Hängematte die Nase in die Sonne halte. Ein Teil von mir denkt wirklich, dass ich diesen Urlaub vergeudet hab. Zeit, die ich nie wiederbekomme für immer verschwendet. Allerdings spüre ich, wie gut es mir tut. Ich spüre, wie mein Akku auflädt. Ich spüre, wie mein Kopf sich leert. Frei von allem: Ich muss…, ich sollte…, ich müsste… Herrlich leer ist dort wieder Platz. Für neue Ideen und für Kreativität. Mittlerweile habe ich endlich wieder Lust drauf, wirklich etwas zu tun. Ich habe Lust drauf, wieder produktiv zu sein. Ich habe Lust drauf, nach dem Urlaub neu durchzustarten.

Genauso hat mein Körper Lust drauf, sich wieder zu bewegen. Nach der Sportpause werde ich nächste Woche wieder anfangen und werde es endlich wieder voll genießen. Ich tue es nicht mehr, weil ich muss oder sollte, sondern weil ich Lust drauf habe.

Ich brauchte diese Pause. Ich brauchte diese Faulheit. Ich brauchte dieses Nichtstun. Was ich nicht brauche, ist dieses schlechte Gewissen, also weg damit.

Hand aufs Herz, wann hast du es dir zuletzt gegönnt, das Nichstun?

Hattest du ein schlechtes Gewissen? Oder hat es dir gutgetan?

Nichtstun bedeutet ja nicht, dass du dich nicht bewegen darfst. Klar kannst du auf einem Handtuch am See liegen und in der Sonne dösen. Klar kannst du an einem kuscheligen Ort in einem guten Buch versinken. Klar kannst du dir ein Malbuch für Erwachsene nehmen und ausmalen. Klar kannst du auch wandern gehen oder einkaufen oder was auch immer. Hauptsache du setzt dir keine festen Zeiten, sondern lässt dich einfach mal entspannt durch den Tag treiben.

Ich für meinen Teil kann sagen, ich bin dadurch jetzt bereit. Bereit für die zweite Jahreshälfte. Bereit und neugierig was da noch kommt. Dank dem Nichtstun hab ich ganz viel Platz in meinem Kopf leergeräumt um ihn mit neuen Eindrücken zu füllen. Ich freu mich wirklich drauf.

Hier ein paar Tipps fürs Nichtstun:

— Verplane deinen nächsten Urlaub mal nicht, zumindest nicht komplett. Nimm dir einfach Zeit fürs Nichtstun und für spontane Unternehmungen, auf die du wirklich in dem Moment Lust hast.

— Gönn dir mal einen Tag in der Woche mit Nichtstun. Sonntags zum Beispiel, oder wenn du mal während der Woche frei hast.

— Höre nicht auf dein schlechtes Gewissen. Gönn dir das, was dir guttut und genieß es. Wir alle brauchen ab und zu eine Pause, um später wieder richtig durchzustarten. Wenn du dir die Pause nicht nimmst, wird sie sich dein Körper vielleicht irgendwann selbst nehmen. In Form von Erkältungen, Überlastungsschmerzen, bis hin zu Burnout.

Ich für meinen Teil verzieh mich noch eine Runde auf die Couch, mein Urlaub geht ja noch eine Weile. Wer ist dabei?

Nichtstun

Wann fängst du an mit Nichtstun?

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Ich bin Sarah. Musikerin, Nerd und hazeleyednerd in Person. Wenn du mehr über mich erfahren willst, kannst du das hier tun.

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