9 to 5 vs. Digitale Nomaden – auf welcher Seite stehe ich?

Tanja von Reiseaufnahmen hat zu einer spannenden Blogparade aufgerufen. Sie stellt die Frage zum Thema, ob das 9-to-5 Arbeitsmodell veraltet ist. Kann man nur glücklich sein, wenn man die absolute Freiheit lebt? Wenn man als Digitaler Nomade ortsunabhängig durch die Welt zieht? Oder kann sich auch hinter 9-to-5 das Glück verstecken? Ich hab mir da mal meine Gedanken gemacht, wo ich in diesem Thema stehe.

Kurz zu mir. Ich arbeite mittlerweile 7:30 to 15:30 aber grundsätzlich kommt es auf dasselbe wie 9 to 5 raus. Ein riesen Fortschritt zu dem Mehrschichtmodell, in dem ich die Jahre davor gearbeitet hab. Doch jetzt wo das Thema Digitaler Nomade überall zu hören ist frage ich mich schon manchmal:

Werde ich nur als digitaler Nomade wirklich glücklich?

Ich arbeite in einem großen Industriebetrieb, genauer gesagt bei einem Automobilhersteller. Ich muss morgens pünktlich am Arbeitsplatz sein, habe aber auch pünktlich Feierabend. Ich kann mein Wochenende genießen ohne an die Arbeit zu denken. Wenn ich aber Urlaub haben will, muss ich diesen manchmal weit vorher beantragen und mit meinen Kollegen abstimmen. Schon öfter gab es Vorträge oder Messen in meiner Stadt die so gelegt waren, dass ich sie nicht besuchen konnte. Ich musste eben arbeiten.

Dafür kann ich mir den Luxus gönnen mich wirklich zu erholen, wenn ich mal krank bin. Ich bin nicht selbstständig, ich rufe einfach morgens den Chef an und melde mich krank. Danach geh ich zum Arzt und kurier mich aus bis ich wieder auf den Beinen bin. Nur weil ich mal die Grippe hab, droht mir also normalerweise kein Geldverlust.

Dafür kann ich mir nicht aussuchen, wann ich arbeite. Ich kann mir meine Arbeit und Freizeit nicht selbst einteilen. Manchmal sprudeln meine Gedanken morgens über und ich könnte im Nu 3 Blogbeiträge schreiben. Aber ich muss all meine Konzentration auf meinen Brotjob richten. Wenn ich dann nachmittags heimkomme und endlich Zeit fürs bloggen habe, ist mein Kopf leer. Grade zum Beispiel ist es kurz vor 8 Uhr abends und ich hab schon mindestens 5x neu begonnen, diesen Beitrag zu schreiben. Ich gerate nicht wirklich in den Flow, weil meine Energie bereits verbraucht ist. Als Digitaler Nomade könnte ich mir den Tag besser einteilen. Mehr nach dem, was meinem Tageszyklus entspricht. Nicht danach was mein Arbeitgeber mir vorschreibt.

Ich würde manchmal auch gerne von zu Hause aus arbeiten, bequem in Sweatpants und Hoodie, während ich auf meinem Balkon sitze. Oder in einem netten Coffeeshop, während ich guten Kaffee trinke und leichter Jazz-Musik lausche. Oder im Sommer einfach mal abends, wenn es kühler ist, anstatt dass ich während der Mittagshitze im Büro schwitze.

9-to-5 vs. Digitale Nomaden

Andererseits sehe ich mich in meiner Wohnung um und genieße die Vertrautheit. All die Möbel die ich ausgesucht und arrangiert habe. Die Wände, die ich gestrichen hab. Die kleinen Dekoelemente, die widerspiegeln wer hier wohnt. Das ist kein wochenweise gemietetes Apartment. Das ist kein Hostel- oder Hotelzimmer. Das ist meine Wohnung. Mein Ruhepol, meine Insel und ja, meine Komfortzone. Hier kann ich runterkommen und so sein, wie ich will. Es ist ein Rückzugsort von der Welt, den ich so schnell nicht aufgeben muss, wenn ich nicht will.

Ich brauche meine Homebase. Ich brauche einen Ort, an dem ich zu Hause bin. Das bedeutet nicht, dass ich ewig an ein und demselben Ort bleiben muss. Meine vielen Umzüge die letzten Jahre sprechen Bände. Auch wenn ich einen festen Wohnsitz habe, wechsele ich diesen auch gerne öfter. Zur Zeit allerdings fühle ich mich hier in Saarbrücken ziemlich wohl, vielleicht ist es ja diesmal was von Dauer?

Doch ganz festlegen will ich mich nie. Saarland ist das Land der Eigenheimbesitzer, doch fester Wohnsitz hin- oder her, so weit will ich jetzt noch nicht gehen. Das bringt mir Stirnrunzeln von Freunden und Kollegen ein, die mir mit gespitzem Bleistift vorrechnen, wie viel ich sparen würde. Klar, wenn man es so sieht, ist bei einer Mietwohnung das Geld weg und ich hab keine eigene Immobilie. Dafür erkaufe ich mir Freiheit. Die Freiheit, irgendwann doch wieder alles zusammen zu packen und weiterzuziehen. Wo immer es mich auch hin verschlägt.

9-to-5 vs. Digitale Nomaden

Steckt also vielleicht doch ein digitaler Nomade in mir? Oder einfach nur ein analoger Nomade? Oder bin ich nur zu sehr an 9-to-5 und all das hier gewöhnt, weil ich nichts anderes kenne? Oder ist es sogar fehlender Mut und Trägheit, die mich hier halten?

Die Wahrheit ist, ich mag 9-to-5 eigentlich. Wobei ich gegen mehr Flexibilität nichts einzuwenden hätte, vor allem in der individuellen Arbeitszeit und dem Arbeitsort. Trotzdem muss ich zugeben, dass es Tage gibt, an denen ich auf die Digitalen Nomaden schiele und sie um ihre Freiheit beneide. Ich male mir aus, dass sie grade tausend Abenteuer erleben, während ich im täglichen Routinemeeting sitze.

Dann wiederum gibt es die Tage, an denen alle Rechnungen zugleich ins Haus flattern. Doch egal wie mies es manchmal läuft, ich kann darauf vertrauen dass am Ende des Monats mein Gehalt auf dem Konto ist.

Ich glaube, es gibt kein richtig oder falsch. Vielleicht gibt es nicht mal entweder/oder. Vielleicht kann ich jetzt 9-to-5 arbeiten und werde später doch mal digitaler Nomade? Oder ein digitaler Nomade beschließt sich niederzulassen.

Wichtig für dich ist nur, dass du für dich selbst überlegst, was für dich das Richtige ist. Womit fühlst du dich wohl und sicher? Wie viel Freiheit brauchst du? Wo willst du dich, zumindest zeitweise, niederlassen?

Ich bleibe erst mal bei 9-to-5. Vorerst. Aber ich lasse es dich wissen, wenn sich daran was ändert. Aber auch wenn das so ist, glaube ich durchaus dass du einiges von Digitalen Nomaden lernen kannst. Auch als 9-to-5-Worker.

Das hier waren meine Gedanken zu dem Thema. Im Beitrag von Tanja von Reiseaufnahmen findest du nochmal alle Infos zu Blogparade mit dem Thema: Glückssuche: 9 to 5 leben oder den Job kündigen und ab in die Welt?

Dort findest du auch alle Blogger, die sonst noch teilgenommen haben. Danke nochmal, Tanja, für diesen großartigen Denkanstoß.

 

Wie denkst du über das Thema? Bist du ein digitaler Nomade? Oder doch lieber 9 to 5? Verrat´s mir hier oder in den Kommentaren.

8 Responses
  1. Hallo Sarah,

    vielen lieben Dank für deine Teilnahme. Ich habe mich sehr gefreut, vor allem, weil ich deinen Sprachstil unglaublich gerne mag. Ich kann mich sehr, sehr gut in deine Gedanken versetzen.

    Mein Freund wollte schon immer ein Eigentum kaufen und ich lehnte immer ab. Das war mir zu gebunden. Über 5 Jahre musst er Überzeugungsarbeit leisten, heute sitze ich in meinem kleinen Büro und freu mich, dass er hartnäckig war. Aber ich kann auch gut verstehen, warum man den Schritt nicht gehen möchte.

    Zu gut kenne ich auch das Thema der Zeiteinteilung. Ich will gar nicht Wissen wie viele Mails mit drei Stichworten, die mir als Thema für den Blog einfielen, ich schon nach Hause gesendet habe und die dann nie etwas wurden, weil ich doch mal wieder zu müde war, um mich am Abend noch zum Schreiben zu motivieren und morgens früher aufstehen geht bei mir sowieso nicht. Da bin ich ein Trödelix 🙂 Hätte ich all diese Themen gleich Schreiben können, was wäre da großartiges auf dem Blog zu finden …!

    Ich bin gespannt wie sich unsere alle Lebens- und Arbeitsweisen in den nächsten Jahren ändern. Ich habe ganz neu einen Tag Home Office die Woche und genieße das sehr. Und freue mich, dass Länder wie Norwegen das Recht darauf jetzt im Grundgesetzt verankern.

    Guter Punkt auch der Krankstatus. Kommt bei mir sehr selten vor. Aber eine immense Beruhigung, falls es mal so ist.

    Ich bin auch gespannt, ob das Thema noch weiter in dir gären wird. Mich lässt es seit der DNX im Mai kaum los … so kam es auch final zur Blogparade.

    Viele liebe Grüße
    Tanja

    1. Sarah

      Hallo Tanja,

      danke dir für deinen lieben Kommentar. Als ich deinen Beitrag zur Blogparade gelesen hab, wusste ich sofort dass ich dazu was schreiben will. Auch wenn ich einige Zeit gebraucht hab, um einen Anfang zu finden. Auch jetzt weiß ich noch nicht 100% ob ich damit zufrieden bin, aber ich denke es drückt ganz gut aus, was ich zu dem Thema denke.
      Ich beneide dich ja sehr um deinen Tag Homeoffice. Bei uns ist das Umdenken noch nicht ganz angekommen, zumindest nicht in dem Bereich in dem ich momentan arbeite.
      Zum Thema Krankstatus gebe ich dir recht. Ich bin auch niemand, der das ausnutzt. Ich war schon lange nicht mehr krank und musste daher auch nicht davon Gebrauch machen. Aber wenn ich wirklich mal die Grippe oder ähnliches erwische ist es beruhigend zu wissen, dass ich mich in aller Ruhe auskurieren kann.
      Viele liebe Grüße zurück,

      Sarah.

  2. Dyson

    Allerdings kann meiner Meinung nach ein Digitaler Nomade der standig auf der Suche nach neuen Auftragen, Geldquellen und einer funktionierenden Internetverbindung ist genauso sehr oder vielleicht sogar viel mehr darin gefangen sein als ein Familienvater, der tagsuber zur Arbeit geht und die Abende entspannt und sorgenlos mit seinen Kindern verbringen kann.

  3. Hallo Sarah,
    sehr cooler Artikel zur Blogparade! Ich kann dich gut verstehen, ich brauche auch meine Homebase und digital nomad wäre auf Dauer nichts für mich. Und ich stimme dir zu, es muss nicht immer entweder/oder sein, es gibt auch viel dazwischen. Für mich wäre es das Winter-Nomadentum, wie ich in meinem Artikel lebe-ohne-grenzen.de/job-oder-reisen-oder-beides beschrieben habe.
    Ich bin überzeugt davon, dass jeder seinen eigenen Weg finden muss und das wünsche ich auch dir!
    Viele Grüße
    Steffi

    1. Sarah

      Hallo Steffi,

      danke dir für deinen lieben Kommentar. Ich stimme dir voll zu, jeder muss für sich selbst den eigenen Weg finden und rausfinden, was am besten funktioniert.

      Viele Grüße,
      Sarah.

  4. Achim

    Hi! Ich wollte auch nur kurz einwerfen, daß es Firmen mit viel weniger „entweder-oder“ gibt. Wir arbeiten quasi komplett verteilt, sozusagen Zwangshomeoffice. Einige tun das von zu Hause aus, andere in einem Co-Workingspace. Viele arbeiten immer vom gleichen Platz aus, aber ein Kollege treibt sich auch regelmäßig in der Welt herum, vorwiegend Berlin, Brüssel, Athen, … Die einzigen festen Regeln sind ein „Standup“ am morgen und gleiche Zeitzone. Wir haben in der Vergangenheit gemerkt, daß so eine Struktur über Zeitzonen hinweg nicht gut funktioniert. Entwickler reden mehr miteinander als man allgemein annimmt. 😉 Ach ja: Wir sind fast alle angestellt und nur auf expliziten Wunsch Freelancer.

    1. Sarah

      Hey Achim, danke dir. Das klingt echt genial. Ich glaube das wäre auch wirklich ne Lösung, die für mich funktionieren würde.

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